Der Besuch der sog. Wiege der deutschen Demokratie ist nach
langläufiger Meinung ein Muss für jeden Demokraten
Die Anfahrt zum vom Weitem sichtbaren Schloss von Neustadt (s.
dazu die Seiten "Neustadt
- Allgemeines über die Stadt") bzw. Neustadt-Diedesfeld
ist bestens ausgeschildert. In einem Einbahnstraßensystem werden Sie
durch beste Wohnortgebiete - die Einwohner haben Sie und die anderen
hunderttausend Besucher sicher in ihre Gebete eingeschlossen - bis
unmittelbar zum (für Sie) nur zu Fuß zu begehenden, aber lediglich maximal
200 m langen Aufstieg zum Hambacher Schloss geführt.
Sie parken je nach Verkehrslage am Straßenrand in kürzester Nähe zu diesem Aufstieg. Vergessen Sie das Lösen eines Parkscheins nicht! Falls Sie dem Wandervorschlag auf dieser Seite (s. u.) folgen wollen, lösen Sie am besten das Tagesticket für 2 Euro.
Das Hambacher Schloss ist berühmt wegen des sog. Hambacher Festes vom 27.05.1832. Dieses Fest wird als Ursprung und das bedeutendste Ereignis der deutschen Demokratiegeschichte bezeichnet. Eine Diskussion, ob hier nun wirklich die Wiege der deutschen Demokratie liegt, ist zumindest auf diesen Seiten verfehlt. Jedenfalls ist das Hambacher Fest sicherlich ein Meilenstein auf dem Weg zu demokratischen Verhältnissen in Deutschland: Pressezensur, hohe Steuern, Zölle verhinderten in ganz Deutschland - aber auch in Europa - jegliche Entwicklung, sei es im Sinne einer öffentlichen Meinungsfreiheit, sei im Sinne einer wirtschaftlichen Entwicklung des Einzelnen.
Dem Aufruf der Dres. Wirth und Siebenpfeiffer, dem Wunsch nach
Freiheit und Einheit der Deutschen durch ein Volksfest auf dem
Hambacher Schloss Ausdruck zu verleihen, folgten am 27.05.1832 rund
30.000 Menschen aus vielen Nationen. Zum ersten Mal wurde hier die
deutsche Trikolore - unsere heutige schwarz-rot-goldene Fahne -
geschwungen.
Die Darstellung unmittelbarer, fassbarer positiver Entwicklungen aufgrund dieser Versammlung bleiben die heutigen Hambacher Aussteller allerdings schuldig - der Hinweis auf die blutigen Zusammenstöße am ersten Jahrestag des Hambacher Festes auf dem Schlossberg, in Hambach und in Neustadt könnte in diesem Zusammenhang wohl auch nur als Ironie verstanden werden. Gleiches gilt allerdings im Ergebnis auch für die nachfolgende (trotz ihrer Erfolglosigkeit in keinem Geschichtsunterricht fehlende) Frankfurter Nationalversammlung von 1848, so dass die heutige Euphorie ggf. dahin verstanden werden kann, dass in Hambach ein langsam, aber stetig wachsendes Freiheitsbewusstsein zum ersten Mal seinen ersten öffentlichen Ausdruck gefunden hat - und das ist dann schon bemerkenswert.
Etwas in Vergessenheit gerät bei alledem die weitere Geschichte
des Schlosses: Schon für die Zeit um 350 ist eine spätrömische
Siedlung auf dem Hambacher Schlossberg zu verzeichnen. Um 1000 wird
hier von den salischen Kaisern eine Burg erbaut, die ca. 200 Jahre
später von den Staufen ausgebaut wird. Im Bauernkrieg (1525) und
Pfälzischen Erbfolgekrieg wird die Burg dann aber zerstört. Zur Zeit
des Hambacher Fests stand hier also eine Ruine. Erst 1844 begann der
bayrische Kronprinz Maximilian damit, aus der Ruine ein Schloss zu
bauen. Die Arbeiten wurden aber bereits zwei Jahre später wieder
eingestellt. Das heute zu besichtigende Schloss ist also "lediglich"
ein Produkt der Neuzeit, das seinen letzten Schliff in der Zeit ab
1982 erhalten hat.
Die Außenanlagen des durchaus imposanten Schlosses sind dem Besucher frei zugänglich und sollten auf einem Ausflugsplan nicht fehlen - Millionen Besucher können sich nicht irren. Der sich dabei zudem noch bietende Ausblick auf die gesamte Rheinebene bis hin zum Schwarzwald stellt eine nicht zu gering zu achtende Zugabe dar.
Eine kostenpflichtige (immerhin 4,50 Euro/Erw.) Besichtigung der
Innenräume bleibt Ihrem Gusto vorbehalten: In denen Innenräumen
finden Sie - neben mehreren zumindest bei einer Besichtigung
belanglosen Konferenz- bzw. Schulungsräumen - eine Ausstellung, die
die Stimmung der Tage des politischen Aufbruchs wiedergeben soll.
U.E. vermögen dies die recht wenigen Exponate - selbst die o.a.
deutsche Trikolore erscheint farblos - und die sog. multimedialen
Informationssysteme nur in eingeschränktem Umfang zu vermitteln,
zumal eine Werbung für die Europäische Gemeinschaft der heutigen
Zeit nicht unerheblichen Raum einnimmt. Hervorragend ist indes die
multimediale Präsentation (früher hieß das Lichtbildervortrag) des
Hambacher Fests als solches und die Darstellung der unmittelbar
vorgehenden Ereignisse. Diese muss selbst den nur halbwegs
interessierten Besucher fesseln und sollte so und in dieser Form
Bestandteil jedes Schulunterrichts sein. Allerdings bleiben durchaus
auch Fragen, insbesondere nach vielen vorgehenden
zeitgeschichtlichen Umständen und auch den späteren Folgerungen.
Nicht vergessen werden soll, dass nur mit der Eintrittskarte die Besteigung des Turms möglich ist, allerdings auch nur zu jeder vollen Stunde.
Da die Besichtigung des Hambacher Schlosses maximal zwei Stunden Zeit in Anspruch nimmt, sollten Sie den Ausflug mit einer kleinen Wanderung verbinden. Wegen des hohen Besucheranfalls auf der Hand liegende Bedenken können Sie dabei zumindest werktags zurückstellen. Sie finden hier eine ausgesprochen schöne und auch geruhsame Wanderung, nämlich Hambach: Hambacher Schloss - Bergstein - Speierheld - Hohe-Loog-Hütte.
HinweiseLage Lagekarte anzeigen und Anfahrt berechnen Interne Links Neustadt - Allgemeines über die Stadt Wanderung
Weitere Informationen und externe Links
Hambacher Schloss 1832 |