Nicht nur wenn das Wetter mal nicht zum Wandern auffordert, bietet ein Besuch im Schuhmuseum Abwechslung.
Eine Attraktion in Hauenstein (s. auch die Seite "Hauenstein:
Allgemeines") ist das Deutsche Schuhmuseum. Das in
einer ehemaligen Schuhfabrik aus dem Jahr 1928 errichtete "Museum
für Schuhproduktion und Industriegeschichte Hauenstein" gibt auf
drei Etagen (ca. 2.000 qm Ausstellungsfläche) einen umfassenden
Überblick über die Schuhindustrie in der Pfalz und die damit
verbundenen sozialen und alltäglichen Aspekte.
Die mit vielen Exponaten bestückte Ausstellung ist zeitlich gegliedert: "Aufbruch in das Industriezeitalter" (1740 - 1918), "Fabrikarbeit und Massenproduktion" (1918 - 1945) und "Vom Wirtschaftswunder in die Strukturkrise" (ab 1945).
Das Museum, dessen Besuch für den geschichtlich und technisch Interessierten unerlässlich ist, kann jeden Tag - gegen ein angemessenes Entgelt - besucht werden. Besonders erwähnenswert ist, dass nach Absprache Gruppen auch außerhalb der Besuchszeiten ein geführter Besuch ermöglicht wird.
Ergänzend ist neben dem Schuhmuseum auch auf "Die Gläserne
Schuhfabrik" hinzuweisen. Die Fa. Seibel, die mit "Handmade Footwear"
wirbt, hat die Tore ihrer 2003 in Hauenstein neu errichteten
"Schuhfabrik" geöffnet. Hier können Sie fast immer ganztätig und
kostenlos deren Mitarbeitern bei der Schuhfertigung Schritt für
Schritt - von der Materialauswahl bis zum fertigen Schuh - über die
Schulter schauen. Auch hier sind Führungen nach Absprache möglich.
Zur Vorabinformation für Ihren anstehenden Besuch des Schuhmuseums soll kurz auf die Geschichte der Schuhindustrie in der Pfalz eingegangen werden*:
Die Schuhherstellung in der Pfalz hat ihren Ursprung in
Beschäftigungsmaßnahmen für entlassene Soldaten; mit ihr wurde gegen
1800 in Pirmasens begonnen. Ab ca. 1870 wurden die Hauensteiner in
die Fabrikation einbezogen; sie arbeiteten in Heimarbeit für die
Pirmasenser Unternehmer. 1886 gründeten die Gebrüder Seibel die
erste Fabrik; zu Beginn des ersten Weltkrieges gab es dann bereits
20 Fabriken mit über 1.000 Beschäftigten in Hauenstein. Das große
Arbeitsangebot führte die Hauensteiner, die bis dahin überwiegend
als Kleinbauern und Waldarbeiter tätig waren, aus der Armut.
In den Nachkriegsjahren, die durch französische Besetzung,
Inflation, Weltwirtschaftskrise geprägt waren, führten wachsende
ausländische Konkurrenz und technologischer Fortschritt auch in
Hauenstein zur Umstellung: Massenproduktion preiswerter Fabrikware
war angesagt.
Vor und während des zweiten Weltkrieges sorgte dann der Bedarfs
des Militärs für Beschäftigung in der Schuhindustrie.
In den Nachkriegsjahren bestimmte die Entbehrung die Produktion;
Schuhe wurden u.a. auch aus Reifengummi und Feuerwehrschläuchen
hergestellt; Schuhsohlen bestanden aus Holz, Schuhfutter war Papier.
Mit dem deutschen Wirtschaftswunder blühte auch die
Schuhproduktion in Hauenstein wieder auf. 1960 gab es hier 35
Schuhfabriken mit ca. 3.000 Beschäftigten. In die Herstellung war
nicht nur ein Großteil der Hauensteiner einbezogen; auch viele
Pendler aus der weiteren Umgebung waren hier tätig.
Mit Zunahme der ausländischen Importe verschlechterte sich die Lage der pfälzischen Schuhindustrie seit Mitte der 60er Jahre jedoch massiv. Bis heute mussten nahezu alle Fabriken ihren Betrieb einstellen. Geblieben sind vorrangig die zahlreichen Verkaufsstellen, in denen der Verbraucher noch immer vergünstigt Schuhwaren erwerben kann.
*Quelle: Info-Blatt des Deutschen Schuhmuseums
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