Ein Burgdorf (fast) wie im Mittelalter lädt zu einem beeindruckenden Rundgang ein und begeistert nicht nur junge Besucher.
Schon aus weiter Entfernung weckt die Silhouette der Burgruine von
Neuleiningen Neugier, und das zu Recht. Selbst eine ca. 70 km lange
Anfahrt von Annweiler (s. dazu die Seite "Annweiler:
Allgemeines über die Stadt"), die am schnellsten über
die B 10, A 65, A 61, A 6 erfolgt, ist in diesem Fall
gerechtfertigt.
Das in der Nähe von Grünstadt gelegene Neuleiningen verdankt seine Entstehung den in Worms- und Speyergau ansässigen Grafen von Leiningen. Nach Erbteilung der Grafschaft Leiningen (1237) erbaute Graf Friedrich III von Leiningen-Dagsburg in den Jahren 1238 bis 1241 die Burg Neuleiningen. Etwa zur gleichen Zeit errichtete er auf dem gegenüberliegenden Battenberg die Battenburg. Beiden Burgen bildeten zusammen mit der Stammburg Altleiningen einen sicheren Sperrgürtel zum Eingang des Leininger Tals.
Bald siedelten sich am Berghang der Burg Neuleiningen Handwerker
und Dienstleute an. Es entstand ein Dorf, das von einer
umschließenden Stadtmauer und Wehrtürmen geschützt wurde. Das Dorf
wuchs, es erhielt 1364 die Stadtrechte und wurde im Mittelalter zur
größten Festung der Region.
1508 wurde die Burg Neuleiningen, die bereits 1308 Lehen der Wormser Bischöfe geworden war, im Rahmen von Streitigkeiten vertraglich zwischen den Grafen von Leiningen und dem Bischof von Worms aufgeteilt.
Im Bauernkrieg blieb die Burg dank der Klugheit der Gräfin Eva von Leiningen vor Schäden bewahrt.
Die listige Gräfin
öffnete nämlich 1525 den aufständigen Bauern ohne Kampf Stadt- und
Burgtore und bewirtete sie freundlich und üppig mit Speisen und
Getränken. Der Pfälzer Wein beruhigte die Gemüter der Aufständigen,
die anschließend abzogen und dabei von ihrer üblen Gewohnheit Abstand
nahmen, besetzte Burgen niederzubrennen.
Auch im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) musste Neulingen nur unbedeutende Beschädigungen hinnehmen.
Im Verlauf des Pfälzischen Erbfolgekrieges, der zur fast
vollständigen Verwüstung der Pfalz führte, brannten französischen
Truppen 1690 jedoch die gesamte Anlage nieder. Da sich die beiden
Eigentümer, der Graf von Leiningen-Westerburg und der Bischof von
Worms, in der Folgezeit nicht über den Neuaufbau einigen konnten,
blieb die Burg als Ruine liegen. Die Bürger benutzen sie als
Steinbruch für den Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser.
1767 verkaufte Karl von Leiningen-Westerburg schließlich seine Hälfte an der Burganlage an das Bistum Worms. Im Zuge der Französischen Revolution wurde die Burgruine säkularisiert. 1874 erwarb sie Karl Emich von Leiningen-Westerburg; 1941 wurde sie schließlich an die Gemeinde Neuleiningen übereignet.
Diese hat gerade in den letzten Jahren umfangreiche
Renovierungsarbeiten durchgeführt. Gut erhaltene bzw. bestens
renovierte Fachwerkhäuser prägen nun wieder das Ortsbild. In Neuleiningen schlendert man - nach Eintritt durch das erhaltene
Westtor - gemütlich durch vielzählige, häufig durch Sandsteintreppen
verbundene Fachwerkgäßchen. Interessant sind auch die vielen
Handwerkerwappen an Haustüren und Toren. Lobenswert ist das
Engagement der (knapp 900) Einwohner, die das Ihrige durch
liebevollen Blumenschmuck beitragen.
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Dazu künden das Geviert der einstigen Burg - die Burg hat eine viereckige Grundform mit an den Ecken abschließenden und hervorspringenden Rundtürmen - mit Turmresten und Befestigungen von Abenteuern. Vom Aussichtsturm der Burg bietet sich eine hervorragende Sicht auf die Rheinebene im Osten sowie die Berge des Pfälzerwaldes im Westen. Sehenswert ist auch die Pfarrkirche St. Nicholaus. Die frühere Burgkapelle steht in der ehemaligen Vorburg; im 15. / 16. Jahrhundert wurde der Chor erweitert und der Turm angefügt.
Also: Ein Besuch, der sich wirklich "lohnt".
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