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Annweiler: Geschichte der Stadt

 

Ein Überblick für den historisch Interessierten

 

Annweiler - WappenAn der Einfahrt zum großen Parkplatz an der alten Stadtmauer von Annweiler (s. dazu auch die Seite "Annweiler: Allgemeines über die Stadt"), am ehemaligen Storchentor, steht eine leicht zu übersehende Info-Tafel, die neben Hinweisen auf die örtliche Gastronomie und sonstige Wirtschaftsbetriebe einen auch dem interessierten Besucher ausreichenden Ausblick auf die Geschichte der Stadt bietet:

"Annweiler wird im Jahre 1006 in geschichtlichen Quellen genannt. Belegt ist, dass die Siedlung 1116/18 vom Bischof von Straßburg im Tausch gegen das Dorf Morsbrunn im Elsass an den Herzog Friedrich II. von Schwaben gegeben wurde. Herzog Friedrich II hat in dieser Zeit die Siedlung Annweiler befestigt. 1138 ist Annweiler Königsgut geworden.

Annweiler - An der QueichSchon um die Mitte des 12. Jahrhunderts ist das aufblühende Annweiler zur selbständigen Pfarrei erhoben worden; 1153 weihte der Speyerer Bischof in der Ansiedlung eine von den Hohenstaufen gestiftete Fortunata-Kirche ein. Den Schutz der Siedlung hatte der Kaiser einem Ministerialen übertragen, der sich nach Annweiler benannte. Mit Markwart von Annweiler, von Heinrich VI. im Jahre 1195 in den Stand eines Freien erhoben, ging dieses Geschlecht in die Reichsgeschichte ein. Am 14. September 1219 erhob Kaiser Friedrich II., Enkel Barbarossas, das Dorf zur Reichsstadt, ausgestattet mit den gleichen Rechten und Freiheiten, wie die Reichsstadt Speyer sie besaß.

1304 hat Kaiser Albrecht die Rechte der Reichsstadt noch vermehrt und dieser den großen königlichen Waldbezirk in der so genannten Frankenweide geschenkt, der fortan als Bürger- und Stadtwald von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Stadt sein sollte. 1330 wurde Annweiler von Kaiser Ludwig dem Bayern an die Pfalzgrafen Ruprecht I. und Rudolf II. verpfändet. Von 1402 bis 1410 waren Stadt und Burg im Pfandbesitz des Ritters Dieter von Inseltheim. 1410  teilten die Söhne Ruprechts ihr Erbe. Die Stadt war in der Folgezeit Teil des Zweibrücker Oberamtes Neukastel/Bergzabern.

Annweiler - WassergasseIm Jahr 1480 räumte der Zweibrücker Herzog den Bürgern der Stadt Annweiler die Vergünstigung ein, samstags Wochenmarkt abzuhalten.

In den sechziger und siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts ließen sich "Welsche", ihres Glaubens wegen aus Frankreich und den Niederlanden vertriebene Hugenotten, mit Zustimmung des Herzogs in der Stadt nieder. 1593 folgten diesen eine größere Gruppe Gewerbetreibender, vornehmlich Gerber und Tuchmacher, die der Stadt zu neuer wirtschaftlichen Blüte verhalfen. Im Dreißigjährigen Krieg wechselte Annweiler zehnmal den Besitzer.

Während des 18. Jahrhunderts blieb die Stadt vom Kriegsgeschehen, außer dem spanischen Erbfolgekrieg, im Wesentlichen verschont. Annweiler wurde 1797 im Zuge der Neuordnung der Verwaltungsorganisation durch die Franzosen Kantonsstadt. Nach dem Übergang der Pfalz an Bayern am 1. Mai 1816 wurden Stadt und Kantonsbezirk Teil des neuen Landkommissariats Bergzabern, das 1862 in Bezirksamt und 1938 in Landkreis umbenannt wurde. 1969 ist dieser Landkreis im Zuge der Verwaltungsvereinfachung im Land Rheinland-Pfalz mit dem Landkreis Landau zusammengelegt worden. Diese neue, größere Gebiets- und Verwaltungseinheit trägt seit 1978 den Namen "Landkreis Südliche Weinstraße".

Im Jahre 1820 wurden Stadtmauer, Türme und Tore abgerissen. Lediglich der Mélac-Turm, Reste der Stadtmauer an diesem sowie am ehemaligen Storchentor und am "Schipkapass" überdauerten das Zerstörungswerk und bleiben bis heute erhalten.

Die Eisenbahnlinie Landau - Annweiler (1874 erfolgte die Inbetriebnahme) brachte zwar eine gewisse Belebung der Wirtschaft, doch es mussten auch weiterhin zahlreiche Einwohner der Stadt ihr Fortkommen in der Fremde suchen; der Strom der Auswanderer in die Neue Welt versiegte lange Zeit nicht. Erst durch Gründung der Annweiler-Emaillier-Werke und die Verlegung eines Pappe erzeugenden Unternehmens von Rhinnthal nach Sarnstall verbesserte sich allmählich die wirtschaftliche Struktur der Stadt.

Annweiler - Am neuen RathausDer reizvollen Landschaft und der Lage der Stadt im Kranz der Wasgauberge zu Fuße der Burgdreifaltigkeit, der Wiederentdeckung des Trifels sowie dem damit verbundenen Bau der Trifelsstraße und des Hohenstaufensaals war es zu danken, dass sich Annweiler schon vor dem Zweiten Weltkrieg einen beachtlichen Platz im Fremdenverkehr sichern konnte.

1950 konnte das im Krieg zerstörte Krankenhaus, 1951 das Rathaus und 1952 die Stadtpfarrkirche wieder aufgebaut werden. Neben der Förderung der einheimischen Industriebetriebe bei ihrem Wiederaufbau bzw. bei Betriebserweiterungen war auch die Ansiedlung neuer krisenfester Industrien ein besonderes Anliegen der Stadt. Das von der Landesregierung 1964 der Stadt zuerkannte Prädikat "Luftkurort" sowie ein umfassender Ausbau des Kreiskrankenhauses 1977 bis 1981 dürfen als weiter Richtpunkte der Stadtentwicklung angesehen werden. Die Stadtkernsanierung stand unter dem Leitgedanken: humanes Wohnen und Arbeiten in der Stadt.

So ist Annweiler mit den Stadtteilen Bindersbach, Gräfenhausen, Queichhambach und Sarnstall stetig gewachsen und hat im Jahr 2000 eine Einwohnerzahl von 8.000."