Dringend fordert die Zitadelle von Bitche, die Ort und
Umgebung beeindruckend dominiert, einen Besuch ein. Dabei führt eine
hervorragende Präsentation direkt in die Jahre 1870/71.
Lassen Sie sich von der ggf. etwas längeren Anreise nicht abschrecken, es lohnt sich auf jeden Fall. Zudem ist - z.B. von Annweiler kommend (s. dazu die Seite "Annweiler: Allgemeines über die Stadt") die mit ca. 60 km schon recht weite - Anfahrt landschaftlich sehr abwechslungsreich (hin über Pirmasens und zurück über Schönau).
Der die Umgebung um ca. 80 m überragende, ca. 400 m lange und ca. 30
m breite Felsen von Bitche liegt strategisch günstig an der Kreuzung
von mehreren bereits seit dem frühen Mittelalter wichtigen
Fernverbindungen vom Rhein nach Lothringen und vom Elsass in die
Pfalz.
Schon im 12. Jahrhundert erbauten die Herzöge von Lothringen auf diesem Felsen - sie wussten schon warum - ein Schloss. Im Rahmen eines Tausches gelangte Bitche in den Besitz des Grafen Eberhard von Zweibrücken, dem auch Lemberg (s. auch die Seite "Lemberg: Allgemeines über die Burg Lemberg") gehörte. Graf Eberhard, nun auch Herr von Bitche, und seine Nachfolger, die Grafen von Zweibrücken-Bitsch, erweiterten die Anlage. 1570 starb diese Linie jedoch aus und Bitche fiel an die lutherische Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Darüber kam es, da der Herzog von Lothringen Lehnsansprüche geltend machte, zu einem langjährigen Streit, in dessen Folge letztlich 1606 der Graf Reinhard von Hanau-Lichtenberg die Burg Lemberg erhielt, dafür aber Bitche an Herzog Karl III. von Lothringen mit der Folge hergeben musste, dass Bitche rekatholisiert wurde (s. auch die Seite "Lemberg: Allgemeines über die Burg Lemberg").
Im 30jährigen Krieg (1634) wurde Bitche von den Franzosen eingenommen, die infolge
des Friedens von Nimwegen (1679) ganz Lothringen annektierten. Der
Sonnenkönig Ludwig XIV. beauftragte nun (1681) seinen
Festungsbaumeister Vauban, den Felsen von Bitche uneinnehmbar zu
machen.
Die von Vauban geschaffene Zitadelle hatte indes keinen langen Bestand; denn 1688 begann der Pfälzische Erbfolgekrieg, der 1697 durch den Frieden von Rijswijk beendet wurde und u.v.a. zur Folge hatte, dass Bitche an den Herzog Leopold Lothringen zurückfiel. Zuvor sorgten die Franzosen, die Bitsch verlassen mussten, aber dafür, dass alle Befestigungen, die sie errichtet hatten, zerstört wurden.
Indes war der letzte Herzog von Lothringen Stanislaus Leszczynskis, der nach dem Polnischen Thronfolgekrieg aufgrund des Friedens von Wien auf die polnische Krone verzichtet und dafür Lothringen erhalten hatte und zudem der Schwiegervater von Ludwig XV. war. Nach dem Tod von Stanislaus (1766) ging u.a. deshalb Lothringen wieder an Frankreich über. Schon zuvor hatte Frankreich - vertraglich abgesichert - begonnen. die Zitadelle von Bitch auf der Grundlage der Pläne von Vauban wieder neu zu errichten (durch den Grafen von Bombelles in den Jahren 1741 bis 1754).
Im Deutsch-Französischen Krieges (1870 - 1871) wurde die
Zitadelle 230 Tage lang von einer aus ca. 7.000 Soldaten bestehenden
bayerischen Armee belagert. Unter dem Befehl des Kommandanten
Teyssiers leistete die Festungsbesatzung bis zum 27.03.1871
erfolgreich Widerstand, obwohl bereits am 26.02.1871 zwischen
Deutschland und Frankreich der Vorfrieden von Versailles geschlossen
worden war und schon seit einem Monat zuvor Waffenstillstand
herrschte; Teyssier hatte aber keinen offiziellen Evakuierungsbefehl
erhalten.
Im Frieden von Frankfurt (10.05.1871) verzichtete Frankreich auf weite Teile seiner Départements (u.a. Moselle) zugunsten des während des Krieges gegründeten Deutschen Kaiserreichs. Elsass und Lothringen wurden Teil des Deutschen Reiches (Reichsland Elsass-Lothringen). Eine Preußische Garnison nahm die Festung in Besitz, die dann aber nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 an Frankreich zurückfiel. Während dieses Krieges wurde die Zitadelle nicht in Mitleidenschaft gezogen; während des zweiten Weltkrieges wurde sie aber durch die Bombardierungen der Alliierten schwer beschädigt. 1979 wird die Zitadelle unter Denkmalschutz gestellt.
Mit Ihrem Aufstieg zur Zitadelle treten Sie im August 1870, dem
Beginn der Belagerung durch bayerische Truppen, in das Zeitgeschehen
ein. Dazu werden Sie am Eingangstor mit einem Infrarotkopfhörer
ausgestattet, über den Sie nahezu an jeder Stelle Ihres Rundgangs
durch Mondel, einem zeitgenössischen Soldaten und Journalisten, (in
Ihrer Sprache) darüber unterrichtet werden, was Sie eigentlich
gerade genau sehen und was sich hier ereignet hat. Sie haben sich
dabei nicht nach Mondel zu richten; er richtet sich nach Ihnen, denn
er weiß - dank bester Technik - stets, wo Sie sich gerade befinden.
Bereits bei Ihrer Anfahrt und erst recht bei dem kurzen Anstieg - der offizielle Parkplatz, der in ganz Bitche ausgeschildert ist, befindet sich fast unmittelbar vor dem Eingangstor - werden Sie sich kaum der bedrohlichen Ausstrahlung der Festungsanlage entziehen können, auch wenn die meisten der früher auf dem Plateau vorhandenen Gebäude - wie z.B. die Kasernenanlagen - zerstört sind. Kaum vorstellbar ist der Gedanke, wie dieses Bollwerk je zu erobern sein könnte - allenfalls oberflächlich zerstören, ja das scheint noch machbar.
Dieser Eindruck, eine feindliche Übernahme sei ausgeschlossen, wird
auf Ihrem Rundgang sehr schnell bestätigt. Denn der gesamte steile
Sandsteinfelsen ist durchzogen von einem unüberschaubaren Labyrinth
unterirdischer Gänge, Kammern und großer Hallen, in das Sie gleich
zu Beginn eintreten. Fels, meterdicke Mauern, klamme Feuchtigkeit
und Dämmerlicht vermitteln das Gefühl, unberührbar in eine Unterwelt
gelangt zu sein. Geradezu genial werden hier nun noch zusätzlich vielzählige multimediale Techniken eingesetzt, die Sie den Sturm auf
die Zitadelle fast real miterleben lassen. Das damalige Erleben
wurde mittels namhafter Schauspieler und ca. 1.000 Statisten in
einem Film erfasst; die einzelnen Episoden werden Ihnen in an vielen
Stellen vorgeführt. Sie erleben dabei nicht nur ein Bombardement,
das Aufeinanderprallen von Truppen, die Angst der in die Zitadelle
geflüchteten Bevölkerung, sondern auch das Sterben von - scheinbar
direkt neben Ihnen stehenden - Menschen hautnah. Nicht ganz zu
Unrecht wird deshalb auch gewarnt, dass "einige Szenen die
Empfindlichkeit der Kinder drängen" können. Allerdings ist die
Gesamtheit der Darstellung nicht auf Ihre Unterhaltung, sondern
darauf ausgerichtet, heutigen Generationen - unter Einziehung
verantwortungsvoller Eltern - die Grausamkeit und den Unnützigkeit
kriegerischer Auseinandersetzungen ins Bewusstsein zu rufen.
Nach Verlassen dieser Unterwelt steht die weitflächige oberirdische Befestigungsanlage zur Besichtigung an; u.v.a. sind zu nennen das Pulvermagazin, das Backhaus, das ein kleines Museum beherbergt, die Kirche, in der auch ein computersimulierter Rundgang durch die seinerzeitige, d.h. intakte Festungsanlage möglich ist, und dann nicht ganz zuletzt die Cafeteria.
HinweiseLage Lagekarte anzeigen und Anfahrt berechnen Interne Links Annweiler: Allgemeines über die Stadt Lemberg: Allgemeines über die Burg Lemberg Weitere Informationen und externe Links Rue de Bombelle |