Ein "militärgeschichtlicher" Stadtrundgang
Knapp 30 km östlich von Landau
und ca. 20 km südlich von Speyer (s. die Seiten "Speyer:
Allgemeines über die Stadt") liegt am Westufer des
Rheins die ca. 22.000 Einwohner
zählende Stadt Germersheim, die zu unserm
Leidwesen lange von uns "übersehen" wurde.
Dabei wurden Germersheim bereits 1276 von Rudolfs von Habsburg die Stadtrechte verliehen; urkundlich erwähnt wurde die Siedlung sogar schon 1090. Heute präsentiert sie sich als eine gelungene und ausgesprochen erfreuliche Mischung aus nahezu bestmöglich gepflegtem altem Baubestand und moderner Stadtentwicklung mit nicht zu übersehendem multikulturellen Flair. Verantwortung für Letzteres trägt die "Filiale" der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, die fast 2.500 Studierenden aus über 100 Ländern im Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft die Möglichkeit einer Ausbildung zu Diplomdolmetschern, Diplomübersetzern pp bietet - das alte Germersheim bleibt damit richtig jung.
Allerdings standen die Zeichen
nicht immer so gut - als Grenzstadt zu Frankreich in vorderer Front
der über Jahrhunderte dauernden deutsch-französischen Zwistigkeiten
wurde Germersheim z.B. 1674 von französischen Truppen vollständig
niedergebrannt. Nicht unbedingt deswegen, sondern eher von dem
Gedanken getragen, das Rheinufer dauerhaft vor diesen unfriedlichen
Nachbarn zu schützen, wurde der Plan gefasst, dass damals
strategisch günstig gelegene Germersheim - u.a. wie auch Landau - in
eine Reihe von linksrheinischen Festungsanlagen einzubeziehen.
Dieser Plan wurde ab 1831 in die Tat umgesetzt, allerdings mit dem
Erfolg, dass die riesige Befestigung, die das gesamte Stadtgebiet
umfasste, bei Fertigstellung (1861) veraltet war. In der
Zwischenzeit hatte sich die Geschütztechnik nämlich so rasant
entwickelt, dass sämtliche herkömmliche Schutz- und Abwehrtechniken
überholt waren.
Ob die Einwohner Germersheims
darüber erfreut waren, mag mal dahingestellt sein. Zwar mussten die
Zivilisten keine unmittelbare Einbeziehung in eine heroische
Vaterlandsverteidigung mehr befürchten, es war ihnen aber auch zumindest über
ein Jahrhundert jegliche sinnvolle Stadtplanung nahezu unmöglich.
Auch der 1. Weltkrieg hat zu keiner wesentlichen Änderung der
misslichen baulichen Gegebenheiten geführt, obwohl aufgrund des
Versailler Vertrages zumindest Teile der Festung geschleift werden
mussten- die "Klötze" waren halt da.
Heute ist All diesem eine durchaus positive Seite abzugewinnen. Germersheim hat nämlich die baulichen Probleme nahezu patent in den Griff bekommen; so ist z.B. die o.a. Filiale Johannes-Gutenberg-Universität Mainz in der größten Kaserne der Festung, der Seysselkaserne (General Graf Seyssel d´Aix - Gebäudefront 284 m) untergebracht und sind die Städtische Musikschule und das Jugendzentrum sehr ansehnlich inmitten der Anlage ansässig.
Aber aus touristischer Sicht
gilt insbesondere, dass
wir heute hier ein Anschauungsobjekt erster Güte haben. Die meisten
von uns kennen die Darstellung von mehrfach sternförmigen
Festungsanlagen auf alten Drucken oder aus Historien-Filmen pp.
In Germersheim ist dies "live" zu sehen, allerdings mit der
Einschränkung, dass dabei jeder Gedanke
an Heldenmut vergehen sollte. Wer nämlich die noch mannigfach
vorhandenen Anlagen durchwandert, vor den riesigen Mauern steht und
die Schießscharten auf sich weisend sieht, den muss neben der Bewunderung, zu
welchen Leistungen unsere
Vorfahren fähig waren, auch eine gehörige Portion Furcht ergreifen.
Germersheim bietet Ihnen
einen recht gut ausgeschilderten Rundweg durch seine Geschichte,
insbesondere durch die Festungsanlagen. Bei allen Zeitzeugen sind Tafeln aushängt, die
das gerade gekennzeichnete Objekt eingehend beschreiben und auch auf
das nächste Anschauungsobjekt verweisen, so dass Sie den Rundweg an
beliebiger Stelle starten können. Planen Sie für Ihre
Besichtigungstour ca. drei Stunden ein. Versuchen Sie dabei aber die
Übersicht zu bewahren; denn die
Ausschilderungen überschneiden sich teilweise.
Wir sind übriges am Ludwigstor gestartet, weil es
in dessen Umgegend recht gute Parkmöglichkeiten gibt. Am Ludwigstor befindet sich
auch das Stadt- und Festungsmuseum Germersheim, das leider nur begrenzt
geöffnet hat.
Gut umworben wird übrigens auch das im ehemaligen Zeughaus der Stadt gelegene Deutsche Straßenmuseum, das sich mit dem Thema Straße beschäftigt.
HinweiseLagekarte anzeigen und Anfahrt berechnen
Interne Links Speyer: Allgemeines über die Stadt Weitere Informationen und externe Links
www.germersheim.de/index-stadt.html
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